
Wenn bei einem Heimspiel ein Tor fällt, erscheint auf dem LED-Screen in der Halle der Torschütze: Name, Nummer, Porträt — und ein kurzer Clip, in dem er jubelt. Das Ganze dauert drei Sekunden.
Damit diese drei Sekunden existieren, stand eine ganze Mannschaft einen Tag lang in einer Halle vor einem grünen Tuch.
Marketingtag von Floorball Köniz Bern, Weissensteinhalle in Bern, rund 30 Personen: die komplette erste Mannschaft samt Staff. Ein Fotograf machte im einen Hallenabschnitt die Porträts, wir bauten im anderen ein mobiles Greenscreen-Studio auf — eine FX3, zwei grosse Softboxen für das Motiv, zwei LED-Panels für die Ausleuchtung des Hintergrunds und ein Hairlight, damit die Kante zwischen Spieler und Grün sauber bleibt.
Der Ablauf war ein Fliessband: alle 30 Minuten kamen fünf Spieler, jeder mit drei Aufnahmen. Lineup — der Spieler steht da und schaut in die Kamera, das ist die Einblendung vor dem ersten Bully. Torjubel — für die Goal- und Assist-Anzeige. Und Zuschaueranimation: der Spieler fordert die Halle auf, Lärm zu machen.
Ein ganzer Tag, dreissig Leute, drei Setups. Ergebnis: ein paar Sekunden Screenzeit pro Person.
Diese Sekunden sind der Teil, den keine Schnittstelle liefert. Aufstellungen, Namen und Nummern holt sich HIVE automatisch von Swiss Unihockey — aber ein Name ist kein Gesicht, und eine Nummer jubelt nicht.
Die drei Aufnahmen sind unterschiedlich anspruchsvoll, und zwar viel unterschiedlicher, als es auf dem Papier aussieht.
Der Jubel ist die schwierigste. In der Halle ist er eine Reaktion: es ist etwas passiert, der Körper macht den Rest. Vor einem grünen Tuch ist derselbe Jubel eine Aufgabe auf Ansage — und er braucht Platz. Arme gehen hoch, der Körper dreht, meistens kommt ein Schritt dazu. Alles, was dabei die grüne Fläche verlässt, ist beim Freistellen weg: eine Hand, die aus dem Tuch wandert, fehlt später auf dem Screen einfach. Nicht abgeschnitten, nicht unscharf — nicht da.
Regie hiess an diesem Punkt also weniger „mehr Energie" als: zeigen, wo das Tuch endet, jubeln lassen, ohne die Position zu verlassen, und nach jedem Take prüfen, ob der ausgestreckte Arm noch drin war.
Geholfen hat vor allem die Reihenfolge. Wir haben bei jedem Spieler mit dem Lineup begonnen. Das ist die Aufnahme, bei der man nichts falsch machen kann: hinstellen, in die Kamera schauen, fertig. Sie dauert zwanzig Sekunden und liefert zwei Dinge, die keine Ansage liefert — der Spieler hat sich an die Kamera gewöhnt, und wir haben Licht und Bildausschnitt kontrolliert, bevor Bewegung ins Spiel kam.
Was ich mitnehme: Die Reihenfolge der Aufnahmen ist Teil der Regie, nicht nur des Zeitplans. Die einfachste Aufnahme gehört nach vorn — auch wenn sie inhaltlich die unwichtigste ist. Sie ist der Preis für alles danach, und sie ist billig. Bei einem Zeitplan in Halbstundenslots ist das kein Detail, sondern der Unterschied zwischen brauchbarem und unbrauchbarem Material.
Ein Produktionstag ohne Zwischenfall wäre auch verdächtig.
Bei einem der Torhüter war das neue Trikot noch nicht gedruckt. Er stand also im Trikot eines Teamkollegen vor der Kamera — mit dessen Nummer auf dem Rücken.
Der reflexhafte Gedanke ist: nachdrehen. Der ist an einem Marketingtag aber falsch. Die komplette erste Mannschaft samt Staff ist genau an diesem einen Tag am selben Ort, mit Studio, Licht und Zeitplan. Eine einzelne Person für eine einzelne Aufnahme nochmals zusammenzubringen kostet mehr als der ganze Slot, in dem die Aufnahme entstanden ist.
Also wurde die Nummer in der Postproduktion ersetzt — machbar, weil die Aufnahmen ohnehin freigestellt weiterverarbeitet werden und der Rücken bei den meisten Takes ruhig im Bild steht. Aufwand, den niemand eingeplant hatte, und der trotzdem die günstigere Variante war.
Was ich mitnehme: An einem Tag, der Material für eine ganze Saison produziert, verschiebt sich die Rechnung. Was sonst ein kurzer Nachdreh wäre, wird zur Postproduktion — und ein Detail wie ein noch nicht gedrucktes Trikot gehört auf die Vorbereitungsliste, nicht in die Kategorie „wird sich zeigen".
Weil die Aufnahmen freigestellt verwendet werden. Die Spieler erscheinen auf dem Hallenscreen nicht in einem Bildkasten mit sichtbarem Hintergrund, sondern als Figur direkt in der Grafik — neben Namen, Nummer und Statistik, im Design des Vereins. Damit das funktioniert, braucht es einen gleichmässig ausgeleuchteten Hintergrund und eine klare Trennung zwischen Person und Fläche. Deshalb das Hairlight, und deshalb zwei eigene Panels nur für das Tuch.
Das Material geht in die HIVE-Module: Lineup, Goal, Assist, Zuschaueranimation. Zu sehen ab der neuen Saison auf dem Screen in der Weissensteinhalle.